Let's talk - Komplimente "Du hast so ein schönes Gesicht..." #nurmalebensagen

Heute möchte ich euch Thema ansprechen, dass so einfach klingt, jedoch manchmal viel verzwickter ist als gedacht: Komplimente - bekommen, annehmen und machen.
Ich glaube in den letzten zwei Jahren habe ich immer wieder begonnen ein paar Zeilen zu dem Thema zu tippen und es dann doch wieder verworfen. Das Schreiben von Texten überlasse ich dann doch meist lieber Anderen. Nun wurde ich von Soulfully kontaktiert und nahm es endlich noch einmal in die Hand, ein Post zu diesem Thema zu schreiben. Soulfully möchte unter dem #nurmalebensagen Komplimente sammeln und einen "Candy Storm" starten. 

Ich beginne mit meiner persönlichen Erfahrung zum Thema. 
"Du hast so ein schönes Gesicht!", dies ist wohl ein Kompliment, dass schon einmal alle (dicken) Frauen gehört haben. Auch mich begleitete diese Art der wohlwollenden Äußerung immer mal wieder. Ja, ich hab ein schönes Gesicht, und sonst so? Jahrelang sollte dies das einzige Kompliment sein, das ich zu hören bekam.
Dann folgten zwei weitere Komplimente, die sich sehr in meine Erinnerung eingebrannt haben, so dass ich mich heute immer noch erinnere. 
Es war etwa in der 9. Klasse, also vor ca. 10 Jahren, an dem Tag als Klassenfotos gemacht wurden. Könnt ihr euch da noch dran erinnern? Ein Tag im Schuljahr kam ein Fotograf und machte von allen Klassen und Schülern Fotos. Grauenvoll! Wir wechselten also von unserem Klassenraum in die Aula (dort wurden die Fotos gemacht) und ich sprach mit meiner Klassenlehrerin über irgendwas und sie sagte: "Amelie, du bist immer so schön gekleidet". Ein Kompliment, welches ich bis dahin noch nie gehört hatte. Es hat mich sehr gefreut, es klang so ehrlich und ließ mich mindestens um 10 Köpfe wachsen und bei den Fotos extra strahlen. 

Ein zweites Kompliment, das mich sehr berührt hat kam aus Abiturzeiten von einer sehr lieben LK-Leiterin, sie sagte zu mir "Du siehst so aus, als ob du in deinem Körper Zuhause bist". Ich weiß, dass es mir zu dieser Zeit nicht so ging, dass ich mich in meinem Körper Zuhause fühlte, aber ihre Worte berührten mich sehr.
Beide Menschen sahen zu dem Zeitpunkt etwas in mir, dass ich selber nicht sehen konnte.


Dann ging ich nach Amerika und wurde mit Komplimenten erschlagen. Der Mann bei Starbucks fand meine Kette "awesome", die Frau an der Kasse bei Traget wiederholte mehrmals "I love your hair" und auch sonst muss ich ziemlich awesome, gorgeous und liebenswert gewesen sein. Ich traf dort auf etwas, das mir ziemlich "fremd" war und anfangs auch sehr komisch vorkam: anderen Menschen sagen was toll an ihnen ist. "Kleinigkeiten", wie eine Kette oder ähnliches, wurden wahrgenommen. Natürlich merke ich mit der Zeit, dass es auch oft Floskeln waren, jedoch wollte ich mir etwas aus dieser Zeit mitnehmen: Fällt mir etwas schönes an anderen Menschen auf, dann sage ich es ihnen! 
Und so kam es, dass ich dir Frau an der Selbst-Scan-Kasse im Supermarkt sagte: "Sie haben wunderschöne Beine", wodrauf sie mich nur äußerst irritiert und fast beschämt anguckte. 

Komplimente machen ist nicht immer leicht. Oft wirken sie wie daher gesagte Redewendungen oder klingen äußerst abgedroschen ("Deine Augen leuchten wie der Sternenhimmel", "Wenn du lächelst geht die Sonne auf"). Manchmal glaube ich es ist ein bisschen der "Blick für das Schöne" abhanden gekommen. Wisst ihr was ich meine? Jedoch ist dies auf jeden Fall etwas, das man "erlernen" oder zurückerlangen kann. Der Alltag macht vieles so unsichtbar, das jedoch unbedingt Beachtung verdient. Ein kleines Kompliment kann den Tag so viel schöner machen oder manchmal auch nach Jahren noch tolle Erinnerungen hervor rufen. Allerdings ist dafür etwas nötig, das mindestens genau so schwierig ist wie das machen von Komplimenten: das Annehmen. 
Wie oft dachte ich mir "das sagt er/sie jetzt nur, weil..." oder "ach was, das stimmt doch gar nicht". Mein Misstrauen war größer als mein Vertrauen. Ich stand mir selber im Weg, und nur ich. Ich dachte des öfteren "Warum sollte er/sie meinen ich hätte schöne Haare, ich bin doch dick". Ich habe ein Kompliment nicht an mich heran gelassen, weil ich es für eine Lüge gehalten habe. Daher möchte ich sagen, dass es wichtig ist nicht immer alles in Frage zu stellen und manche Aussagen hinzunehmen und zu vertrauen, dass die Person weiß was sie sagt. Warum sollte die Person mich anlügen? Dies ist gewiss manchmal nicht einfach, aber erlernbar und schön! Es tut gut eine positive Rückmeldung zu bekommen. 
Komplimente tun gut!



Zusammengefasst möchte ich sagen:
1. Öfter mal ein Kompliment machen! Beobachtet die Mitmenschen mehr, dann findet sich eine Menge, das positiv erwähnt werden kann.
2. Wenn ihr ein Kompliment bekommt, dann nehmt es an!

Soulfully hat einen Komplimente Creator erstellt, somit kann ein Kompliment visualisieren und über die sozialen Medien, per Mail oder sonst wie versendet werden. Ich bin der Meinung, dass ein persönlich überbrachtes Kompliment immer noch schöner ist, jedoch ist dies vielleicht eine schöne Möglichkeit um jemandem eine kleine Freude zu machen.

Habt ihr heute schon ein Kompliment gemacht?

Bis bald!

Kommentare:

  1. Moin Amélie,

    du sprichst da ein sehr interessantes Thema an. Gerade wir Deutsche - so mein Eindruck - tun uns wirklich schwer mit Komplimenten. Ich denke, bei uns geht es mehr um Lob/Anerkennung für/von Leistung. Wenn jemand etwas gut gemacht hat, bekommt er dafür ein Lob. Anders hat er es nicht verdient. Und wahrscheinlich fällt es uns deshalb so schwer ein Lob zu akzeptieren. Es ist ungewohnt für etwas gelobt zu werden, was außerhalb von Leistungserbringung liegt. Vielleicht kommt uns deshalb ein Kompliment bzgl. Kleidung erst einmal fishy vor. Zumindest mir würde es so gehen. Dabei hast du Recht. Komplimente machen und annehmen sollte viel selbstverständlicher werden, denn es tut gut. Solange ernst gemeint und nicht aus der Luft gegriffen. Aber es fällt auch sehr schwer Komplimente zu machen. Fühlt sich sehr ungewohnt an. So eine Situation wie du sie schilderst, mit der Frau und den Beinen, kenne ich auch. Ich habe einer Frau einmal gesagt, dass ich ihr Parfum mag - roch ungemein gut. Sie hat mich angeguckt als wollte ich sie irgendwie angraben oder so. Merkwürdige Situation. Ich glaube seit dem habe ich niemand Fremden mehr ein Kompliment gemacht. Meist stehe ich ganz unbeholfen da, und überlege mir viel zu lange "Soll ich, oder soll ich nicht" - und dann ist die Situation schon vorüber. Wenn wir alle ein wenig liebevoller mit einander und mit uns selbst umgehen würden, würde sich das Komplimente-Machen wahrscheinlich nicht so fake/seltsam anfühlen und man würde sie sicherlich öfters machen.
    Liebe Grüße,
    Kristin

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    1. Ich kann das absolut nachvollziehen was du zu dem Punkt "Fremden ein Kompliment machen" sagst. Manchmal überlegt man hin und her und dann ist es schon hinfällig. Zunächst habe ich das auch bei Freunden und Bekannten "geübt", irgendwann ging mir dann auch ein Kompliment bei Fremden einfacher über die Lippen! Manchmal ist es auch abhängig von der Tagesform, ob ich mich "traue" oder nicht :).

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  2. Liebe Amélie, ich finde du hast einen ganz tollen Post verfasst. Mit allem was du sagst, schreibst du mir aus dem Herzen. Wir können mit Komplimenten noch viel mehr. Nämlich unseren Blickwinkel verändern. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen dazu neigen, zu gucken was schlecht ist, sie legen ihren Focus bei sich und anderen auf die negativen Dinge. Wenn wir davon weg kommen und uns alle gegenseitig stärken, in dem wir gucken was schön ist und anderen gönnen, was an ihnen schön ist, dann können wir auch einen entspannteren, liebevolleren Blick auf unsere Schwächen haben.

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    1. Das stimmt, da sprichst du einen tollen weiteren Punkt an! Ich gebe dir da absolut Recht.

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  3. Liebe Amélie, herzlichen Dank für diesen schönen Text! Ich möchte noch hinzufügen, dass nicht nur der Komplimente-Empfänger - sofern er es zulassen kann - Glück empfindet. Ein Kompliment an einen anderen Menschen macht auch den eigenen Tag schöner.

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Seid lieb zu einander ♥!